Reisefieber: wunderbares Polen

„Warum war ich eigentlich noch nie in Polen?“, fragte ich mich, als ich auf der Landkarte nach einer möglichen Route für einen Roadtrip suchte. Damit war der Grundstein für eine Fahrt zur polnischen Ostseeküste gelegt. 

Mehr als 500 Kilometer traumhafte Sandstrände säumen die Ostseeküste Polens. Fischerdörfer und altehrwürdige Seebäder laden zum Schlemmen, Baden, Entspannen und Wassersport ein. Und im Vergleich zur deutschen Ostseeküste sind die Preise nach wie vor niedrig. Seit geraumer Zeit wurde in ganz Polen die touristische Infrastruktur modernisiert und in jüngster Zeit sind zusätzlich, vor allem an den attraktiven Küstenorten, Straßen und Radwege ausgebaut worden. Trotzdem ist die Küste vielerorts noch immer ein Geheimtipp.

Beginnen wir in Danzig. Die Innenstadt der berühmten Königsstadt liegt streng genommen nicht an der Ostsee, sondern am Fluss Motlau. Doch die traditionsreiche Hafen- und Hansestadt ist stetig gewachsen und umfasst heute auch ehemalige eigene kleine Badeorte mit Ostseestränden. Mit dem Leihrad läßt sich dank der gut ausgebauten Radwege das Zentrum und die Umgebung leicht erreichen – die Studentenstadt gilt als „Fahrradstadt Polens”. Die malerische Innenstadt, die gleich nach ihrer starken Zerstörung im zweiten Weltkrieg aufwändig im ursprünglichen Stil wieder aufgebaut wurde, bietet alle Attraktionen einer schönen Studentenstadt mit vielen Restaurants und Kneipen. Patrizierhäuser mit prächtigen Fassaden säumen die Langgasse. Auf dem romantischen Langen Markt finden im Sommer Open-Air-Feste statt. Eine besonders schöne Gasse ist die berühmte Frauengasse, die von zahlreichen Bernstein-Boutiquen mit zertifiziertem Schmuck gesäumt ist. Wie überall an der Bernsteinküste gibt es auch hier das „Gold der Ostsee” zu überraschend günstigen Preisen.

Fährt man Richtung Westen, führen endlose Strände mit weißem Puderzuckersand, tiefblauem Meer, urtümlichen Wäldern und verträumten kleinen Städtchen zur Halbinsel Hel, einer mehr als 30 Kilometer langen Landzunge. Wer hier herkommt, den erwartet Erholung pur, frischer Fisch, so viel man essen mag – und eine Überraschung. Mitten am Strand befinden sich alte Bunker und im Meer liegen verfallene Verteidigungsanlagen im Wasser. Zeugnisse einer Zeit, die zum Glück längst vergangen ist. Denn wo heute Urlauber baden, nahm vor 80 Jahren eines der traurigsten Kapitel der Menschheitsgeschichte seinen Anfang: der Zweite Weltkrieg.

Dünen von Leba – wie in der Sahara

Der Słowiński-Nationalpark, ein Unesco-Biosphärenreservat beim Badeort Leba, bietet feinsandigen Strand und eine spektakuläre Dünenlandschaft. Berühmt sind seine bis zu 40 Meter hohen Wanderdünen, die mit einer Geschwindigkeit von bis zu zehn Metern pro Jahr vom Wind verschoben werden. Die größte Düne ist die Lontzkedüne, man erreicht sie per Schiff, zu Fuß oder mit dem Rad.

Zu den größten und bekanntesten Badeorten gehört Kolberg, die Kreisstadt der Region. Im Jahr 2007 feierte die Stadt an der Mündung der Parseta ihren 750. Gründungstag. Die Strandpromenade ist gesäumt von bunten Ständen, an denen natürlich Bernstein und andere Souvenirs feilgeboten werden. Deutsche Heimwehtouristen, Kurgäste und junge Familien schlendern durch die hübsche Altstadt. Man sieht nicht, dass diese im Krieg fast vollständig zerstört wurde, die Gebäude wurden gekonnt originalgetreu wieder aufgebaut.

Zweigeteiltes Swinemünde

Das „polnische Rimini“ heißt Swinemünde. Die Hafenstadt mit internationalem Flair ist zweigeteilt. Während der Fährhafen auf der Insel Wollin vor dem Stettiner Haff liegt, befinden sich das Kurviertel mit den historischen Villen im Stil der Seebäderarchitektur, die Innenstadt sowie Teile des Hafens auf der Insel Usedom. Beide Stadtteile sind durch Fähren miteinander verbunden. Highlights sind – neben dem Strand – der mit 68 Metern höchste Leuchtturm an der Ostseeküste, die Festung „Fort Gerharda” aus dem 19. Jahrhundert und die Mole, die abends einen traumhaften Blicke auf den Sonnenuntergang bietet.

Historische Bauten, großzügige Parkanlagen, bunte Hausfassaden, eine spannende Geschichte und wunderbare polnische Köstlichkeiten – all das erwartet die Besucher von Stettin. Es braucht Zeit, um Stettin zu verstehen. Die sollte man sich unbedingt nehmen, denn die Stadt hält viele Überraschungen bereit. Eine davon ist das Pariser Viertel. Nach dem Vorbild der französischen Hauptstadt ließ Oberbürgermeister Haken breite Boulevards sternförmig anlegen, wurden Gründerzeit- und Jugendstilbauten errichtet, Villen gebaut. Im Unterschied zur engen Altstadt, die bei den Bombardements während des Krieges sofort Feuer fing, hat dieses Viertel überlebt.

Stettin ist ziemlich grün und blau, weil mehr als die Hälfte der Stadtfläche von Parks, darunter der drittgrößte Parkfriedhof Europas, und die andere Hälfte von Wasser bedeckt ist. So werden sich im Sommer wieder die größten Segelschiffe der Welt zu den Tall Ship Races in Stettin einfinden. Beim letzten Mal kamen eine Million Besucher. Stettin ist eine junge Stadt, mit einer lebendigen Café- und Restaurantkultur. Von den gut 400.000 Einwohnern sind 55.000 Studenten, die sich auf sechs staatliche und elf private Hochschulen verteilen. War die 15 Kilometer entfernte Grenze zu Mecklenburg in den 1970er Jahren noch fest verschlossen, überqueren sie einige Anwohner heute jeden Tag. Für den Preis einer Dreizimmerwohnung in Stettin, sagt man, bekommt eine junge Familie in Vorpommern ein ganzes Haus mit Garten. (UH)

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