Flandern: Im Herzen Europas

In Flandern sind einem facettenreichen Urlaub keine Grenzen gesetzt. Hier entdeckt man große Werke der Malerei, findet zahlreiche UNESCO-Welterbestätten und Flandern ist auch ein Hotspot des guten Geschmacks: Schokolade, Muscheln und auch Pommes zählen zu den kulinarischen Highlights. Zwischen all den Entdeckungen wird gern ein Gläschen Bier getrunken. Über 1.100 Biersorten und über 160 Brauereien stehen für den weltweit größten Sortenreichtum.

Bevor wir auf den süffigen Gerstensaft zurückkommen: Brüssel ist die Hauptstadt und Residenzstadt des Königreichs Belgien und liegt inmitten von Flandern. Die Metropolregion hat rund eine Million Einwohner. Was Brüssel fordert, wird von den Menschen in Europa nicht immer mit Freude aufgenommen, denn von dort aus spricht das Europäische Parlament – manchmal verständlich, oft auch missverständlich. Das liegt nicht an der Vielsprachigkeit des Landes – neben niederländisch, französisch und deutsch gibt es noch flämisch, vergleichbar mit der österreichische Ausprägung von Deutsch, das heißt man versteht und verständigt sich im Allgemeinen prima. Flandern nimmt nicht nur politisch eine zentrale Rolle in Europa ein, auch wirtschaftlich und historisch hat die Region viel zu bieten. Neben Brüssel liegen dort weitere, kulturell sehr bedeutsame Städte Belgiens, darunter auch Antwerpen, Brügge und Gent.

Gleich „ums Eck“ der Hauptstadt, knappe 25 Kilometer entfernt, ist die Universitätsstadt Leuven zu erkunden. Leuven – deutsch: Löwen – ist vital, lustig, mit spätgotischem Rathaus und einer machtvollen Universitätsbibliothek, die im Ersten Weltkrieg zerstört und in einem schrillen Neorenaissancestil wieder errichtet wurde. Leuven führt uns auch in die Heimat von Interbrew. Der Bierkonzern (Beck & Co, Diebels, Franziskaner und weitere), trug früher den schönen Namen Stella Artois und bietet Führungen durchs Unternehmen an. Für Biertrinker ein Leckerbissen ist „Domus“, eine Hausbrauerei in der Innenstadt von Leuven mit einer Pipeline direkt ins Wirtshaus zu den Zapfhähnen. Auf der Getränkekarte wird beschrieben: „tiefrotbraun, karamellwarm, voll und rund, sanfter Abgang, mit einer Spur reifer Waldfrüchte“. Wobei es sich nicht um einen Bordeaux handelt, sondern um Engel, ein Bier mit sieben Prozent Alkoholgehalt.

Bevor Sie die Sorte „Mort subite (plötzlicher Tod) verkosten, sollten Sie weiterreisen. Nach Mechelen etwa, einer Stadt voller Renaissancegebäude, 300 an der Zahl, alle denkmalgeschützt. Das war nicht immer so: Bis Anfang der 2.000er schimpfte man Mechelen als dreckigste Stadt Belgiens. Doch ihr Bürgermeister Bart Somers schaffte in seiner 17-jährigen Amtszeit den Turnaround zum attraktiven, sauberen Städtchen mit hoher Wohnqualität, zufriedener Multikulti-Bevölkerung und niedriger Kriminalität. Das belgische Mechelen ist heute eine wahre Perle Flanderns.

Ein Muss für Kunstbegeisterte

Die Stadt Antwerpen ist vielfältig wie ihr Name: Die Diamanten-, Kunst-, Hafen- und Modestadt lässt mit großen Schiffen, alten Gebäuden, kleinen Gassen, modernen Modeboutiquen und charmanten Antiquitätenmärkten keine Langeweile aufkommen. Besonders deutlich wird diese Vielseitigkeit bei einem Stadtspaziergang. Von der Altstadt mit der Liebfrauen-Kathedrale und dem Grote Markt geht es in Richtung Norden, wo das moderne Museum MAS einen eindrucksvollen Gegensatz zu den alten Gemäuern darstellt. Die große Einkaufsstraße führt zum Antwerpener Bahnhof, der nicht umsonst als einer der schönsten der Welt gilt. Das berühmte Diamantenviertel dagegen ist eher ernüchternd. Graue, schäbige Gebäude und Schaufenster-Auslagen, die nicht wirklich danach aussehen, dass hier wohl mehrere Millionen Euro täglich umgesetzt werden.

Das Museum MAS ist ein imposantes Speicherhaus mitten in Antwerpens pulsierendem Viertel „Het Eilandje”. Ein mit meterhohen Glaswänden verkleideter Boulevard führt 60 Meter nach oben.

Studentenstadt Gent

Auch die Universitätsstadt Gent lohnt einen Besuch: Sie hat etwa halb so viele Einwohner wie Antwerpen und besticht durch eine lebendige Studentenkultur. Vom mittelalterlichen Viertel Patershol – wo sich heutzutage etliche Restaurants und Cafés befinden – gelangt man zur Gravensteen, der Burg der Grafen von Flandern und eine der größten Wasserburgen Europas. An der Groot Vleeshuis, der mittelalterlichen Fleischhalle, vorbei liegt der alten Hafen mit wunderschönen Giebelhäusern. Diese Ansicht ist weltbekannt. Beim Aufgang zur St. Michielsbrücke kann man die drei bekanntesten Türme Gents, den Belfried, den Turm der Sint-Baafs-Kathedrale sowie den Turm der Sint-Niklaas-Kirche gemeinsam auf ein Foto bannen.

Malerisches Brügge

Brügge ist weitaus kleiner, aber ebenso sehenswert wie Antwerpen. Die historische, malerische Stadt liegt unweit der Nordsee. Bei einer Bootstour lassen sich die Onze-Lieve-Vrouw-Kirche, das ehemalige Sankt-Jans-Spital oder der Beginenhof aus einer reizvollen Perspektive entdecken. Auf der anderen Seite des Burgplein stößt man auf die Heilig-Blut-Basilika, das älteste erhaltene Bauwerk Brügges. Hier wird in einem Schrein ein Flakon aufbewahrt, in dem sich Tropfen des Blutes Christi befinden sollen. Zur Heilig-Blut-Prozession wird dieser Schrein durch die Straßen der Stadt getragen.

Damme

Von Brügge aus könnte man mit einem Raddampfer auf einem Kanal nach Damme gelangen. Schneller geht es auf der Straße. Damme verdankt Till Eulenspiegel den Beinamen „Bücherdorf“. In der Tat gibt es hier unzählige Buchläden, doch die Auswahl ist meist in niederländischer Sprache gehalten. Till Eulenspiegel als Bronzefigur erfreut die Besucher bei der wunderschönen Windmühle am Ortseingang. Vom mächtigen Kirchturm der Liebfrauenkirche bietet sich ein schöner Ausblick auf Brügge und das Umland. Eine Möglichkeit in das Geheimnis der belgischen Braukunst eingeweiht zu werden gibt es in der ältesten Brauerei der Stadt, „De Halve Maan“.

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