Frauenpower – Tüftlerin mit sozialer Ader

©Sabine Starmayr

Renate Pyrker leitet seit 2001 das von ihrem Vater gegründete Familienunternehmen „Austria Plastics“ und arbeitet als Chefin vor allem mit „Lob und Anerkennung“. Den Welsern bekannt ist die 64-Jährige auch durch ihr gesellschaftspolitisches, kulturelles und soziales Engagement. Sie ist Unternehmerin mit Leib und Seele. Trotzdem – oder gerade deshalb – bezeichnet Renate Pyrker es als ihre Aufgabe, auch in anderen Bereichen tätig zu sein.

Die Welserin beschäftigt sich mit gesellschaftspolitischen Fragen, vermittelt zwischen Wirtschaft und Kulturszene und engagiert sich in sozialen Projekten – als Unternehmerin und Privatperson. „Bei Austria Plastics gebe ich schwer vermittelbaren jungen Menschen mit Handicaps die Chance auf eine Praxisstelle, die teilweise auch mit Übernahmen enden. Und ich vermittle älteren Menschen je nach deren Lust und Laune Arbeit und damit wieder Anerkennung“, erzählt Pyrker. Mit dem Projekt „Learning by Doing“ lässt sie Schüler die Arbeitspraxis hautnah erleben, außerdem ist Renate Pyrker Ideengeberin für das Projekt „ART:enreich“, bei dem Welser Kinder und Jugendliche in Workshops für Kunst und Technik begeistert werden sollen.

Eine echte Herzensangelegenheit ist der Unternehmerin auch der Verein „SATAO“, den sie 2015 gemeinsam mit dem Schauspieler Hardy Krüger jr., dem Künstler Klaus Krobath sowie ihrem Lebensgefährten Dieter Grünberger gegründet hat. „SATAO engagiert sich vor allem für Brunnenprojekte in den trockenen Gebieten Tansanias. Die zweite sehr wichtige Unterstützung sind die Schulpatenschaften für eine gute Ausbildung der Kinder. Bildung ist neben dem Wasser das Wichtigste, um lebenswerte Verhältnisse zu schaffen und die Flucht nach Europa zu verhindern“, erklärt Pyrker.

Powerfrau mit Faible für Technik

Bei all diesem Engagement verwundert es nicht, dass die grazile 64-Jährige oft schon in aller Herrgottsfrüh an ihrem kleinen Schreibtisch sitzt. Schließlich gilt es ein Unternehmen mit 33 Mitarbeitern und rund zwei Millionen Euro Jahresumsatz zu führen. Renate Pyrker macht das seit 2001, damals hat ihr Ex-Mann Martin Pyrker das Unternehmen verlassen. Mit ihm war sie 1978 in die Firma aus Wien nach Wels übersiedelt und in die von ihrem Vater Erwin Weinzinger gegründete Firma eingestiegen. „Ich habe damals in der Produktion begonnen und kann nach wie vor jede unserer Maschinen bedienen. Dieses Faible für die Technik und das Tüfteln habe ich von meinem Vater geerbt“, sagt Pyrker im Interview mit „Wels im Bild“.

Zur Sprache kommt bei diesem Interview natürlich auch die Insolvenz von „Austria Plastics“ im Jahr 2016. Damals stellte die Gebietskrankenkasse einen Konkursantrag, Pyrker entschied sich – aus dem Bauchgefühl heraus – für den zweifelsohne „schwierigsten Weg“. Sie legte einen Sanierungsplan vor und führte das Unternehmen weiter, keiner der Mitarbeiter verlor den Job. „Dieser Weg war aber nur möglich, weil alle hinter mir gestanden sind. Meine Familie, die Bank, die Lieferanten und natürlich meine Belegschaft“, erinnert sich Renate Pyrker.