Malerische Kulturlandschaft Toskana

Die Toskana hat viele Gesichter und beginnt wenige Kilometer südlich von Siena. Die Landstraße hüpft in Schlangenlinien von Hügelkuppe zu Hügelkuppe. Allmählich wird die Gegend karg und baumlos. Dicke Erdschollen liegen auf endlos wirkenden Ackerflächen, die an eine Mondlandschaft erinnern: Die lehmfarbige Erde „Crete“ gibt der von Tälern zerfurchten Landschaft ihren Namen.

Nicht die Natur, sondern der Mensch hat die Crete geschaffen, zunächst durch rigorose Abholzung und dann auch durch Überweidung. Seit ein paar Jahrzehnten wird hier großzügig Weizen, Raps und Mais angebaut. Nur im Frühling sieht man die Landschaft für ein paar Wochen in saftigen Farben, doch wenn die Ernte im Juni eingefahren ist, verwandeln sich die Hügel spätestens um Pfingsten herum wieder in die erdfarbenen, kahlen Hänge, die das Bild der Crete bestimmen. Zwei holprige Stunden braucht der Linienbus, um nach Montalcino zu kommen. Dort, an den Befestigungsmauern der Ortschaft, wächst einer der edelsten Weine der Welt: der Brunello di Montalcono. Die Trauben auf der Nordseite ergeben zumeist einen eleganteren Brunello als jene von der Südseite. Lagert der vollmundige, rubinrote Brunello – der mindestens vier Jahre gereift sein muss – fünf Jahre im Fass, darf er sich „Riserva“ nennen. Der vielgepriesene Tropfen erhielt als erster Wein Italiens schon 1980 mit der DOCG-Plakette das höchste Prädikat des Landes zuerkannt.

Doch die Landwirtschaft in dieser Region ist ein hartes Stück Brot. Viele alte Bauernhäuser, Landsitze, ja sogar ganze Weiler, gehören inzwischen nicht mehr den Toskanern. Sie haben ihre Landwirtschaft aufgegeben und sind in größere Städte oder in die Industriegebiete im Norden Italiens abgewandert. In den Dörfern, die sie verließen, haben sich Engländer, Schweizer, Österreicher und vor allem Deutsche niedergelassen, die sich den Traum vom Leben auf dem Land erfüllen wollten. In der Toskana, mit ihren neun ganz unterschiedlichen Regionen und der pulsierenden Metropole Florenz, fanden sie all die schönen Seiten Italiens.

„Die Toskana liegt nicht in Italien, sondern Italien in der Toskana.“ – Johann Wolfgang von Goethe 

Die Toskana ist knapp dreimal so groß wie Österreich, etwas mehr als 3,7 Millionen leben dort. Touristen verbinden mit ihr in erster Linie Museen, architektonische Highlights, kulinarische Gaumenfreuden und natürlich die grünen, welligen Hügel, durchzogen von piniengesäumten Straßen. Doch die Toskana bietet auch alles für einen abwechslungsreichen Strand- und Badeurlaub. Ihre Mittelmeerküste lockt mit hellem Sand, feinem Kies oder beeindruckenden Klippen und für Familien gibt es zahlreiche Strandbäder.

Mit ihren langen goldenen Stränden und ihren Pinienhainen ist die „Versilia“ genannte Region jedes Jahr das Ziel tausender Touristen, die ihre Ferien verbringen wollen, indem sie sich bei Sonnenbädern und langen Spaziergängen an der sandigen Küste erholen. In Wirklichkeit bietet die Versilia noch viel mehr: in Pietrasanta, Forte dei Marmi, Seravezza, Stazzema und Camaiore sind noch wenig bekannte toskanische Kunstschätze von bedeutendem Wert verwahrt. Außerdem ist die Versilia, vor allem im Sommer, reich an interessanten kulturellen Veranstaltungen: vom reichen Programm des Theaters La Versiliana, über das Festival Pucciniano bis hin zu den zahlreichen Konzerten, die im Landesinnern organisiert werden. Ohne das wichtigste Ereignis der Versilia zu vergessen: den Karneval von Viareggio, der mit seinen farbenfrohen Wagen jedes Jahr tausende Touristen anzieht. Neben dem Festland gehört übrigens auch der Toskanische Archipel mit der Insel Elba zur Toskana. Zusammen mit diesen Inseln verfügt die Region sogar über 600 Kilometern Küstenlinie.

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