Der „zahnverrückte“ Auswanderer

Während im herbstlichen Österreich der Winter schon die ersten Vorboten schickt, sonnt sich die kanarische Insel Teneriffa bei Temperaturen um die 25 Grad. Die Insel des „Ewigen Frühlings“ mit seinen weißen und vulkansandigen Stränden an der über 350 Kilometer langen Atlantikküste begeisterte im 19. Jahrhundert schon den Naturforscher Alexander von Humboldt. Genau in dieses Paradies hat es den Oberösterreicher Karl Gnadlinger verschlagen. Bis der Mann, der den Menschen gerne auf den Zahn fühlt, dort angekommen ist, war er aber lange Zeit ein Suchender.

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In den späten 70er-Jahren glänzte der geborene Linzer bei den Welser Union-Basketballern als Spielmacher, stieg mit Wojtak, Austaller und Co. von der Bundesliga B in die höchste Liga Österreichs auf. Als Zahntechniker-Meister machte er sich mit seinen Ideen und Pionierarbeiten, sowie Publikationen und Vorträgen international einen Namen. Vor 17 Jahren beschloss Gnadlinger mit seiner Frau Gabi nach Cran Canaria auszuwandern.

„Eigentlich wollten wir in Las Palmas ein Kurzentrum eröffnen. Die Philosophie lautete damals: Wir arbeiten dort, wo andere Urlaub machen. Die ersten Jahre waren verdammt hart, aber das milde Klima entschädigte für Vieles“, erzählt der Auswanderer, der damals sofort eine Sprachschule besuchte, ein Spanisch-Studium mit einem Diplom abschloss, statt einem Kurzentrum aber zurück zu seinen Wurzeln fand und ein Dentalstudio eröffnete. „Weil Zähne in meinem Leben eine so große Rolle spielen, fehlte einfach noch etwas“, erzählt Gnadlinger, der 2009 in Madrid Zahnmedizin zu studieren begann. „Fünf Jahre lang flog ich jede Woche von Donnerstag bis Sonntag nach Madrid, die restlichen Tage arbeitete ich Tag und Nacht“, erzählt der Oberösterreicher und ergänzt: „Das Studium hat mir 140.000 Euro gekostet, seit 2014 bin ich Zahnarzt!“

Vom geöffneten Fenster der Praxis ist vom nur 30 Meter entfernten Strand das Rauschen des Meeres zu hören. Irgendwie beruhigt das die Patienten

Nur wenige Wochen nach Beendigung des Studiums traf den Zahnmediziner ein schwerer Schicksalsschlag, verstarb seine Frau an einer heimtückischen Krankheit. „Ich viel in ein Loch, aus dem mich nach mehr als einem Jahr meine jetzige Frau Belen herausholte. Sie hat mir neuen Lebensmut eingeimpft“, erzählt der Herr Doktor, der seit heuer auf Teneriffa wohnt und erst vor kurzem in Bajamar seine Clinica Dental eröffnet hat. Vom geöffneten Fenster seiner Praxis ist vom nur 30 Meter entfernten Strand das Rauschen des Meeres zu hören. Irgendwie beruhigt das seine Patienten, die praktisch ihre neuen „Beißerchen“ aus einer Hand bekommen. Sein Kundenstamm sind hauptsächlich deutsche Langzeiturlauber, alle anderen europäischen Patienten können während der Behandlungszeit kostenlos im komfortablen Gästehaus nächtigen.
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„Spezialisiert habe ich mich auf Diagnostik-Krebsfrüherkennung, auf Erkrankungen von Zahnfleisch und Zahnhalteapparat sowie auf Zahnästhetik“, sagt der 60-Jährige, der 15 Autominuten vom Meer in der Kleinstadt Tacoronte lebt, den ewigen Frühling liebt, seine geliebten Fische in allen Variationen genießt und froh ist, dass auf der spanischen Urlauberinsel die Uhren etwas langsamer ticken. Das Leben trotz intensiver Arbeit summa summarum stressfreier als in Österreich abläuft.

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Und irgendwie hat sich dann doch noch sein Traum von einem Kurzentrum erfüllt. Denn Ehefrau Belen ist Professorin für Protokoll, Ästhetik und Persönlichkeitsbild und so schließt sich der Kreis. „Wir ergänzen uns sowohl privat als auch beruflich perfekt“. Belen betreibt in der Klinik eine kleine, aber feine Wellnessinsel. Angeboten werden ein Personal Styling, Massagen, das maßgeschneiderte Makeup, spezielles Wasser und Biokeramikkapseln. „Es wäre schön, wenn der eine oder andere Oberösterreicher als Patient den Weg zu mir nach Teneriffa findet“, sagt Gnadlinger, dessen Leitspruch seit Jahrzehnten ist: Das schönste Geschenk ist das Lachen meiner Kunden.

Einmal im Jahr fliegt der Herr Doktor nach wie vor in seine alte Heimat, um Freundschaften zu pflegen. Und da ist die eine oder andere „langsame Halbe“ Bier im Welser Gösser-Bräu mit seinen alten Basketball-Kumpeln ein Pflichttermin . . .

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