McLaren 675LT – SOLD OUT!

Man nehme einen McLaren 650 S, steigere die Motorleistung, kalibriere das Chassis neu, verpacke das Ganze in einer um 34 Millimeter längeren Kohlefaser-Karosserie und durchkämme das ganze Auto noch einmal akribisch, um stolze 100 Kilogramm Gewicht herauszunehmen. Das Ergebnis: Der McLaren 675 LT.

Lotus-Gründer Colin Chapman hat einmal gesagt: „Um schneller zu werden, nehme man Gewicht heraus." McLaren ist einen Schritt weitergegangen: Der 675 LT ist leichter – und stärker. Zwar werden die zusätzlichen 25 PS Leistung und 50 Newtonmeter Extra-Drehmoment auf den ersten Blick niemanden erschüttern, doch die Kombination mit dem Mindergewicht von 100 Kilogramm ändert das Bild fundamental.

Mit einem Trockengewicht von ganzen 1230 Kilogramm verfügt der 675 LT über ein nahezu unerreicht günstiges Leistungsgewicht. Bei trockener Fahrbahn reichen dem McLaren 675LT unter atemberaubender Klangkulisse, die er aus seinen beiden Titan-Endrohren herausrotzt, 2,9 Sekunden bis Tempo 100, in gerade einmal fünf weiteren Sekunden wird die 200-km/h-Marke durchmessen, und mit 330 km/h liegt die Vmax in luftiger Höhe.

Unser Korrespondent Ian Kuah ist das Auto in Silverstone gefahren, auf einer sehr schnellen Rennstrecke mit einigen ungewöhnlich langsamen Kurven. Wer hier am Kurveneingang zu schnell ist, untersteuert deutlich. In den mittleren und schnellen Krümmungen wird die deutlich verbesserte Aerodynamik des 675 LT spürbar. Der längere Frontsplitter und der um 50 Prozent größere, aktive Heckflügel generieren zusammen 40 Prozent mehr Abtrieb als der 650 S – ein Unterschied, der sich im oberen Geschwindigkeitsbereich in deutlich höherer Stabilität, mehr Bodenhaftung und besserer Bremsleistung niederschlägt.

Im Zusammenspiel mit den 19- bzw. 20-Zoll Pirelli-Trofeo-Rennreifen erlaubt es die verbesserte Aerodynamik der 675 LT, das Gaspedal auch noch bei Geschwindigkeiten am Bodenblech zu halten, bei denen die Grenzen nicht nur des 650 S, sondern auch etlicher Rivalen überschritten sind. Wenn der 675 neuen Fahrwerksgeometrie gradueller und linearer als zuvor.

Der phantastische V8-Biturbo dreht frei bis zur 8500-U/min-Marke heraus; frappierend ist die Alltagstauglichkeit bei niedriger und mittlerer Last. Der freundliche Charakter ändert sich bei Vollgas schlagartig. Dann beschleunigt der 675LT explosionsartig und die Gänge werden von der Sieben-Gang-Box im Maschinengewehr-Stakkato durchgepeitscht. Das Schaltpaddel funktioniert übrigens besser denn je; es ist leichtgängiger und liefert perfekte Rückmeldung.

Von gleicher Perfektion sind die Kohlefaser-Bremsen - sowohl in Funktion als auch beim Pedalgefühl. Und so gilt: Der 675 LT fährt sich auf der Straße mit müheloser Leichtigkeit, verwandelt sich für den fortgeschrittenen Rennfahrer jedoch in ein extrem kommunikatives, progressives und agiles Werkzeug.

Dennoch gibt es für zahlungskräftige Interessenten Grund zum Ärger: Die Serie von 500 Exemplaren zu je 500.000 Euro inklusive österreichischer Steuern ist bereits vollständig ausverkauft. Man wird jedoch nicht falsch liegen, wenn man davon ausgeht, dass die Lektionen, die McLaren bei der Entwicklung des 675 LT gelernt hat, auch in zukünftigen Modellen der Marke umgesetzt werden. Denn es dürfte kaum eine andere Marke geben, die so genau zuhört wie McLaren – und dann auch umsetzt, was ihre Klientel an Wünschen formuliert.

Fotos: Hersteller