Hallo Hans(e)!

Wer kennt sie nicht, die deutschen Automobilkennzeichen mit dem ominösen H-Buchstaben zu Beginn: HH für Hamburg, HL für Lübeck oder HB für Bremen.

Das zusätzliche „H“ in der Frontposition steht für Hansestadt und ist die Bezeichnung für eine seit dem frühen Mittelalter bestehende Vereinigungen niederdeutscher Kaufleute, deren Ziel die Sicherheit der Meeres-Überfahrt und die Vertretung gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen besonders im Ausland war. Die Hanse war nicht nur auf wirtschaftlichem, sondern auch auf politischem und kulturellem Gebiet ein wichtiger Faktor.

In den Zeiten ihrer größten Ausdehnung waren beinahe 300 See- und Binnenstädte des nördlichen Europas in der Städtehanse zusammengeschlossen. Deren
weiße und rote Farbe findet sich noch heute in den Stadtwappen vieler Hansestädte. Eine wichtige Grundlage dieser Verbindungen war die Entwicklung des Transportwesens, insbesondere zur See, weshalb das Segelschiff - die Kogge - zum Symbol für die Hanse wurde. Jahrhunderte beherrschte der mächtige Städtebund mit der „Königin“ Lübeck an der Spitze die Häfen von Nord- und Ostsee sowie die wichtigsten Handelswege im Binnenland. Durch Freihandel gelangten viele Hansestädte zu großem Reichtum, was sich bis heute an prächtigen Innenstädten und zahlreichen bedeutenden Bauwerken ablesen lässt.

Will man die Hansestädte erkunden, bietet sich die Fahrt entlang der Ostsee hinüber zur Nordsee an. Beginnen kann die Reise in Polen. Die alte Hansestadt Stettin besitzt einen der größten Seehäfen des Ostseeraumes und neben mehreren privaten Hochschulen drei staatliche Universitäten. Das Treiben im Zentrum ist dementsprechend von junger Bevölkerung geprägt. Die Hakenterasse in Stettin ist eine bedeutende Sehenswürdigkeit der Stadt. Sie befindet sich über der Oder mit schönem Blick über Flussinseln und Hafen. Auch das Königs- und Hafentor sind einen Besuch wert. Mit dem Rathaus und den drei erhaltenen mittelalterlichen Kirchen Johannes-, Jakobs- und Peter-Paulkirche ist Stettin Teil der europäischen Route der Backsteingotik.

Die drei großen T – Tradition, Tourismus und Technologie – prägen den Wirtschaftsstandort Stralsund, wo im Fahrwasser etablierter Firmen immer mehr innovative Dienstleistungs- und Hightech Unternehmen entstehen. Die als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannte Hansestadt Stralsund ist mit ihrer wechselvollen Geschichte, der einmaligen Lage am Wasser und den imposanten Bauten der Backsteingotik ein Anziehungspunkt im deutschen Mecklenburg-Vorpommern. Rügen, samt der idyllischen Insel Hiddensee, liegt gleich nebenan. Nicht weit weg ist die Hansestadt Rostock. Diese reizvolle Stadt zieht sich etwa 20 Kilometer am Lauf des Flusses Warnow bis zur Ostsee entlang und hat mit Warnemünde ein eigenes Seebad. Rostocks historisches Stadtzentrum hat hanseatisches Flair. Besucher finden hier seltene Zeugnisse norddeutscher Backsteingotik: neben großen Kirchen auch Klöster, Tore, Giebelhäuser und die Stadtmauer.

Königin der Hanse

Damals, im Jahr 1356, war Lübeck durch ihre Lage und Geschichte die geborene Königin der Hanse: Vom Städtebündnis wurde der Rat von Lübeck als höchste Rechtsinstanz bei Streitigkeiten anerkannt und machte die Stadt damit zur bedeutendsten Hansestadt, in der auch bis 1669 die jährlichen Treffen der Mitglieder stattfanden. Heutzutage kommen Millionen Touristen in die Lübecker Innenstadt, nach Travemünde, in die Museen, zum Weihnachtsmarkt, um die Geschichte der Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten zu erleben oder Urlaub an der Lübecker Ostsee-Bucht zu machen. Weltweite Bekanntheit im deutschsprachigen Raum erhielt die 200.00 Einwohnerstadt auch durch den Roman „Die Buddenbrooks“ von Thomas Mann, dem heute ein Museum gewidmet ist.

Tor zur Welt

Ein 150 Kilometer breiter Festlandstreifen trennt die Ost- von der Nordsee und führt uns weiter nach Hamburg, das durch die Elbe mit der Nordsee verbunden ist. Unzählige Gäste haben Hamburg schon erlebt. Die meisten allerdings zu kurz, denn Hamburg kann weit mehr bieten als das typische Sightseeing-Programm, das die wichtigen Sehenswürdigkeiten umfasst, wie Speicherstadt oder St. Pauli. Im Grunde ist das schade, denn die Hansestadt hat deutlich mehr zu bieten und ist einen „zweiten“ Blick wert, etwa auf seinen Hafen, den 13.000 Seeschiffe aus aller Welt jährlich anlaufen. Bei einer Barkassenrundfahrt oder beim Besuch eines der legendären Museumsschiffe können Besucher hautnah erfahren, warum Hamburg den Beinamen „Tor zur Welt“ trägt. Dinge aus aller Welt bekommt man außerdem jeden Sonntag auf dem legendären Hamburger Fischmarkt. Von fünf Uhr morgens bis halb zehn wird hier - seit 1703 - so ziemlich alles gehandelt, was nicht niet- und nagelfest ist.

Die Stadtgemeinde Bremen ist die Hauptstadt des Landes Freie Hansestadt Bremen. Zu dem Zwei- Städte-Staat gehören die beiden Großstädte Bremen und das nördlich gelegene Bremerhaven. Die Stadtgemeinde Bremen ist mit rund 550.000 Einwohnern die zehntgrößte Stadt in Deutschland. Das Stadtbremische Überseehafengebiet Bremerhaven ist eine Exklave der Stadt Bremen. Die großen Bremer Wahrzeichen zeugen von der bewegten und sagenhaften Vergangenheit der Hansestadt. Das sechshundert Jahre alte Bremer Rathaus gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke der Gotik in Europa und wurde im Jahr 2004 gemeinsam mit dem Bremer Roland zum UNESCO Weltkulturerbe der Menschheit erklärt. Im Sommer ist der Weserstrand beim Café Sand eines der beliebtesten Ausflugsziele. Das wohl meistfotografierte Bremer Denkmal ist die Bronzefigur der „Bremer Stadtmusikanten“ an der Westseite des Rathauses.

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