Perle am Schwarzen Meer

Bulgarien, unberührte Natur zwischen Hotelburgen und Partymeilen

Da glitzert es auffordernd in der Frühlingssonne, tiefblau und kein bisschen schwarz lädt es zum Bad ein: Das Schwarze Meer ist das unbekannte Meer Europas, denn lange Zeit war es – zumindest für Westeuropäer – quasi unzugänglich. Verborgen blieben die faszinierenden Küsten mit ihren steilen Klippen, sandigen Ufern, gigantischen Vogelvorkommen und Hafenstädten. Und verborgen blieb damit lange auch die Region, in der Geoforscher vermuten, dass hier die biblische Sintflut stattgefunden haben könnte.

Jetzt zum Frühlingsbeginn ist das zwischen Südosteuropa, Osteuropa und Vorderasien gelegene Binnenmeer mit 13 Grad noch viel zu kalt zum Baden, auch die Strände und Bars sind noch leer. Irgendwie romantisch und verträumt, kaum zu glauben, dass hier ab Juni, zwischen Burgas, Varna, und dem „Goldstrand“ der bulgarische Bär steppt. Vieles wurde in den letzten Jahren gebaut, alleine am „Sonnenstrand“ rund um Burgas warten 500.000 Betten auf sonnenhungrige Reisende.
Die viertgrößte Stadt liegt an der südlichen Schwarzmeerküste. Burgas, die 230 000 Einwohner-Stadt hat den größten Hafen Bulgariens und ist das
Zentrum der Fischfang- und Fischverarbeitungs-Industrie, auch die Marine hat dort ihren Stützpunkt. Die attraktive Lage zwischen Meer und den drei unter Naturschutz stehenden Seen, sowie der attraktive Altstadtkern ziehen Besucher aus den Balkanländern, ganz Europa und Asien an.

Nichts wird der Reisende hier vermissen, westliche Einzelhandels- und Restaurantketten glänzen in den Hauptgeschäftsstraßen und möchten dem Besucher ein heimisches Gefühl vermitteln, während Straßenhändler und Billigverkäufer in Strandnähe auf kaufwillige Kunden warten. Was sonst absolut tabu ist, der fotografierende Tourist könnte in antiken Kirchen gegen eine kleine Gebühr Urlaubserinnerungen knipsen und manch orthodoxer Priester soll hier schon mit geringer monetärer Unterstützung seine Lieder zum Besten gegeben haben. Man sieht, gegen Geld kann in Bulgarien viel geschehen. Und viel Geld steht bei einem Besuch des EU-Mitgliedslandes nicht unbedingt im Vordergrund: Die Landeswährung LEW ist schwach und die Preise sind günstig.

Begeben wir uns - abseits der geschäftigen Innenstadt - an den noch ruhigen Strand. Die jetzt noch menschenleere „Neptun Bar & Restaurant“ überrascht mit einem trendigen Innenleben. Auf der Strand-Terrasse hängt Kellnerin Dana verträumt in den weißen Sofakissen und wartet darauf, dass die Saison endlich beginnt. Die Ruhe vor dem Sturm ist erholsam, das Meeresrauschen entspannend. Hier, wo schon bald die Party-Hölle tobt, lassen sich im frühlingshaften März die Ruhe und die wahre Schönheit des Sonnenstrandes genießen.

Bulgarien ist facettenreich

Auch wenn Bulgarien meist als Reiseziel für Badeurlauber gilt, sollte man das Landesinnere nicht vergessen. Immer mehr Urlauber finden, dass im Landesinneren die wahren Schätze liegen: Die Natur mit ihrer grandiosen Bergwelt, historische Altstädte und vom Sozialismus gezeichnete Vororte. Die manchmal trist erscheinende Kulisse erstrahlt auf einen zweiten Blick in neuem Glanz. Der Kontrast zwischen Städten, Dörfern und der Natur, zwischen Ostblock, Westeuropa und Orient kann eine tiefe Faszination entfachen.

Places to go

Varna ist nach Sofia und Plowdiw die drittgrößte Stadt Bulgariens und gilt als „heimliche Hauptstadt Bulgariens“. Nördlich der Stadt zieht sich der traumhafte Goldstrand hin. Hier reiht sich ein Badeort an den anderen: In Slynchev den, Sveti Konstantin, Chajka, Zlatni Pjasyci oder Evksinograd zeigt sich das Schwarze Meer von seiner schönsten Seite. Wer allerdings nach kulturellen Schätzen sucht, wird in Varna selbst fündig. Die Stadt hat zahlreiche Attraktionen zu bieten, etwa die Muttergottes-Kathedrale, mit ihrer beeindruckenden monumentalen Bauweise.

Weiter nördlich liegt die kleine Hafenstadt Balchik samt ihrer 2000 Jahre alten Geschichte. Die „Weiße Stadt“ hat als Hauptattraktion ein Schloss samt botanischem Garten zu bieten, dessen Besuch nicht nur ein Fest für die Sinne ist, sondern auch ein Ausflug in eine längst vergangene Liebesgeschichte Bulgariens: Das Herz der 1938 verstorbenen rumänischen Königin Marie von Edinburgh soll - auf ihren eigenen Wunsch hin – für immer dort aufbewahrt werden, so sehr liebte die Monarchin diesen Ort, an dem ein Meer von blühenden Gewächsen in das Schwarze Meer zu fließen scheint.
In der Region liegt auch Europas schwierigster Golfplatz, im Ressort „Thracian Cliffs“. Vom berühmten Golfer Gary Player entworfen, erhebt sich auf vier Kilometer Länge hoch über den Klippen ein Golfplatz der Extraklasse, das sechste Loch, das „Signature Hole“, liegt ganz oben, von dort muss der Ball zielgenau die 40 Meter Distanz nach unten überwinden. Private Strände, Gourmet-Restaurants, Luxus-Appartements der besonderen Art vermitteln mitten im tiefen Balkan einen Eindruck von Zufriedenheit, Harmonie, aber auch einen Kick für das Extravagante.

Muschelliebhaber werden ihr Glück zwischen Kavarna und dem Kap Kaliakra finden. Auf der Muschelfarm Dalboka betreibt man seit 1993 den ökologisch sauberen Muschelanbau. Das Ergebnis kann der weitgereiste Besucher auch sogleich im zugehörigen Muschelrestaurant kulinarisch erleben. In lauer Brise an sonnengeschützten Tischen speist der Gast direkt am Meer, begleitet von den sanft an die Kaimauer schwappenden Wellen.
Nur einen Katzensprung weiter wird es rau und windig, man kommt zum Kap Kaliakra, dem östlichsten Punkt Bulgariens. Vorbei an einer prächtigen Farbmischung von gelbem Raps, rotem Mohn, umsäumt von tiefblauer See, schlagen die Wellen nimmermüde an die Klippen des Kaps. Eine kleine Kapelle, bewacht von einem stets betenden Mönch, schließt hier das Landesende ab.

Fotos: Fotolia - Kisa Markiza, Ivani Studio, Sab Tours

Kap Kaliakra